Türkischer Rapper Murda wegen Drogen-Songtext zu 4 Jahren Haft verurteilt

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Murda muss in der Türkei wegen einem Drogen-Songtext 4 Jahre und 2 Monate ins Gefängnis. Önder Doğan (Murda) ist in der Rap-Szene eine unglaubliche Größe. Er ist gebürtiger Niederländer und hält sich dort im Moment auch auf. Er mischt aber nicht nur den türkischen und holländischen, sondern auch den deutschen Musik-Markt auf. Sein Künstler-Name hat allerdings nichts mit seiner Gefängnisstrafe zu tun.

Inhaltsverzeichnis

  1. Urteils-Statement von Murda
    1. Was sind Drogen-Songtexte?
    2. Türkische Regierung und Musiker
    3. Stimmen aus den sozialen Medien gegen die Verhaftung
    4. Rap-Musik und Kunstfreiheit
      1. Kooperationspartner

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Urteils-Statement von Murda

Auf seinem Instagram-Profil teilte der 38-Jährige seinen Fans mit, dass er von seinem Anwalt schlechte Neuigkeiten erhielt. Er muss für 4 Jahre und 2 Monate ins Gefängnis wegen einem Drogen-Songtext. Zwar spricht er hier auf türkisch, jedoch sind die Untertitel auf englisch, sodass ihr euch selbst durchlesen könnt, was er hierzu sagt. Er ist über dieses Urteil entsetzt und zeigt eine traurige, frustrierte Miene. Zusammengefasst ist es ein Statement, worin er die Lage erklärt und seinen Unmut über dieses Urteil äußert.

Schaut euch das Video von Mura hier an:

Was sind Drogen-Songtexte?

Murda hat in vielen Songs verschleierte Anspielungen auf seinen Drogenkonsum platziert. Jedoch handelt es sich hierbei anscheinend ausschließlich um die Droge Cannabis. In dem 2020 veröffentlichten Song Eh Baba* heißt es an einer Stelle grob übersetzt: „Ich habe mir einen Joint gedreht und angezündet. Mann, der hat mich echt weggehauen.“ Das ist die einzige Stelle im Lied, die den Konsum explizit erwähnt. Der Rest des Songs handelt von Luxusgütern, wie Autos, Klamotten und von Parties. Es geht also nicht um einen Drogen-Songtext, sondern eher um eine drogenverherrlichende Line (engl.: Zeile). Der Anwalt der Rappers wird gegen diese Klage vorgehen und eine endgültige Entscheidung bleibt noch abzuwarten.

Türkische Regierung und Musiker

Dass die türkische Regierung ein Problem mit Musikern wegen Drogen-Songtexten hat, zeigt sich auch am Fall des Rappers „Ezhel“ (Ömer Sercan İpekçioğlu) , der wegen Anstiftung zum Drogenkonsum angezeigt wurde, weil er in seinem Lied Alo* über die Schwierigkeiten der Cannabis-Beschaffung berichtet. „Es ist so, als würde man einen Schauspieler anzeigen, der einen Mörder spielt“, sagte der türkische Rapper. Jedoch wurde Ezhel letztenendes freigesprochen.

Einen unglücklicheren Verlauf nahm die Story des Rappers „Burry Soprano“ (Burak Aydoğduoğlu), der wegen seiner bekannten Single Mary Jane* in der Türkei wegen Drogenkonsums und Anstiftung zum Drogenkonsum gesucht und verhaftet wurde. Ihm steht eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten bevor.

Stimmen aus den sozialen Medien gegen die Verhaftung

Seit der Story mit Burry Soprano stellten immer mehr Leute die Notwendigkeit einer Haftstrafe wegen drogenverherrlichenden Lyrics in Frage und äußerten hierzu ihre Meinung. Ein Nutzer schrieb auf Twitter: „Wieso immer Rapper? Warum nicht Vergewaltiger, die anscheinend von bestimmten Leuten geschützt werden? HÄNDE, DIE EINEN STIFT HALTEN, KÖNNEN NICHT GEFESSELT WERDEN!

Auch der deutsche Rapper UFO361 zeigte sich nach Ezhels anklage solidarisch mit einem #FreeEzhel Beitrag. Die #FreeMurda Hashtags sind seit dem Tag des Uploads auch rasant angestiegen. Ebenso die #FreeBurrySoprano Hashtags nach der Verkündung der Haftstrafe. Die Fans zeigen sich in der Hinsicht also sehr verständnisvoll und stehen voll hinter ihren Lieblings-Künstlern.


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Rap-Musik und Kunstfreiheit

In einem freiheitlich-demokratischen Land sollte es möglich sein, die Kunstfreiheit richtig ausleben zu dürfen. Kunst definiert sich aber nicht nur durch eine Seite, sondern ist ein undefinierbarer Begriff und bedarf immer einer Einzelfall-Entscheidung. Es entsteht der Eindruck, dass die leitende Partei der Türkei eher konservative Kunstformen als erstrebenswert erachtet und anderen Kunst-Arten keinen Freiraum lässt. Grenzen sind natürlich immer möglich und wichtig. Ansonsten gäbe es zu viel Freiraum für Texte und Lieder, die lieber nicht an die Öffentlichkeit geraten sollten. Es stellt sich nur die Frage, ob diese Grenze bei drogenverherrlichenden Songtexten gezogen werden sollte. 

In Deutschland ist die Kunstfreiheit in Art. 5 Abs. 3 GG geregelt. Zwar wird dieses Grundrecht schrankenlos gewährleistet, findet seine Grenze aber im kollidierenden Verfassungsrecht. Das bedeutet, dass die Kunstfreiheit nicht gegen das Grundrecht eines anderen verstoßen darf. Der Rapper Danger Dan testete die Grenzen der Kunstfreiheit in seinem Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“.

Wenn du mehr zu Grundrechten wissen willst, hör gerne in unseren Podcast zum öffentlichen Recht rein:

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